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  Folge 293
29.03.2007 von Meg_Cummings



Irgendwo im Irak

„Wie geht es ihr?“

„Den Umständen entsprechend. Sie hat verdammtes Glück gehabt. Wir sollten Sie so bald wie möglich in die Staaten fliegen.“

„Wie schnell wird Sie wieder einsatzfähig sein?“ Der Mann in Uniform sah auf die junge Frau im Bett hinab.

„Einsatzfähig? Hören Sie mal, Sie können von Glück reden, dass sie überlebt hat. Und alles woran Sie denken ist, wann Sie sie das nächste Mal in eines dieser verdammten Flugzeuge setzen können.“

„Jetzt hören Sie mir mal zu. Sehen Sie zu, dass Lt. Paige so schnell wie möglich wieder gesund wird. Wir brauchen jeden Mann, den wir haben.“

Die Ärztin starrte dem Soldaten nach, als er das Krankenzimmer verließ. Dann wandte sie sich zum Bett um.

„Einen äußerst netten Vorgesetzten hast du da.“

Sie wollte das Zimmer verlassen, als sie eine leise Stimme hörte.

„Mary...“

Die Ärztin drehte sich wieder um. „Na, da ist ja jemand aufgewacht.“ Sie beobachtete die junge Frau im Bett, die langsam ihre Augen öffnete. „Willkommen zurück im Leben. Boa, langsam.“

Sie hielt sie an den Schultern fest, als sie sich aufrichten wollte. „Bleiben Sie liegen. Kommen Sie erstmal wieder ein wenig zu Kräften, bevor Sie aufstehen.“

„Cary?“ Giselle starrte die Ärztin an.

„Ist das ihr Freund?“

Giselle nickte.

„Ist er auch Soldat?“

Giselle schüttelte den Kopf und winkte die Ärztin zu sich heran. „Sunset Beach“, flüsterte sie ihr leise ins Ohr. „Bitte...“

Die Ärztin nickte. „Ich werde sehen, was ich tun kann.“



Krankenhaus Guadalajara

Zu allem entschlossen öffnete Cecilia die Tür zu Claytons Krankenzimmer. Sie hatte Josefa und Carmen gebeten, draußen zu warten, weil sie erst mit Clayton alleine sprechen wollte, und die beiden hatten Verständnis gezeigt. Sie lächelte gezwungen, als sie den Raum betrat und zögernd auf das Bett zuging. Er sah blass aus. Aber auch kein Wunder, wenn man bedachte, was er durchgemacht hatte. In seinen Augen sah sie nicht die Spur eines Erkennens. Aber sie hatte auch nicht erwartet, dass er sie erkennen würde, nachdem was die Ärzte ihr über seinen Zustand erzählt hatten. Ihr Herz begann schneller zu klopfen, während sie sich auf einen Stuhl neben Claytons Bett setzte.

„Hallo, ich bin Cecilia“, stellte sie sich vor.

Clayton nickte. „Ich weiß. Die Ärzte sagten mir, dass sie ... du mich besuchen würdest.“

Cecilia räusperte sich. „Was haben dir die Ärzte erzählt?“ fragte sie und begann nervös, an ihrem Ehering herumzudrehen. „Oder vielleicht sollte ich damit anfangen, dir etwas zu erzählen ...“ Sie stockte und senkte schnell den Blick, als sie Claytons durchdringenden Blick bemerkte.

Er lehnte sich entspannt im Bett zurück und ließ seinen Blick über Cecilia gleiten. Das war sie also – seine Ehefrau. Er hatte einen guten Geschmack, wie er mit einer gewissen Genugtuung feststellte. Sie war eine Schönheit mit einer perfekten Figur, seidigen schulterlangen Haaren und dunkelbraunen, tiefgründigen Augen. „Was möchtest du mir erzählen?“ fragte er sanft.

Cecilia spürte, wie ihre Hände feucht wurden und sich ihr Puls beschleunigte. Sie senkte wieder den Kopf, um seinem forschenden Blick zu entgehen. Ihre Knie wurden weich, als er seine Hand leicht auf ihre legte. „Ich ... ich ...“ Sie entzog ihm ihre Hand und stand auf. Sie war hierher gekommen, um reinen Tisch zu machen. Um sich von ihm zu verabschieden und ihm die Freiheit zurückzugeben, damit er zu der Frau gehen konnte, die er immer schon geliebt hatte und mit der er bald ein Kind haben würde. Sie hatte nicht gewusst, wie schwer es sein würde.

„Cecilia?“ Clayton sah sie fragend an. „Was möchtest du mir sagen?“ wiederholte er.

Cecilia spürte, wie Tränen in ihr hochstiegen. Oh nein, dachte sie, jetzt bloß nicht auch noch das Heulen anfangen! Sie zog ihren Ehering vom Finger und legte ihn auf den Nachttisch. „Ich bin hierher gekommen, weil ich eine Entscheidung getroffen habe ...“ Sie zitterte leicht, während sie Luft holte. „Unsere Ehe war ein Fehler. Du kannst dich vielleicht jetzt noch nicht erinnern, aber du wirst es eines Tages tun. Und dann wirst du mich hassen.“

Sunset Beach Club Hotel

Unruhig lief Maria in ihrer Suite auf und ab. Sie konnte es immer noch nicht glauben. Sollte Ben tatsächlich einen Zwilling haben? Nein! Maria blieb stehen und sah aus dem Fenster. Nein, sie hätte es doch gespürt, wenn es nicht Ben gewesen wäre. Schließlich haben sie sich doch mal sehr nahe gestanden. Und wenn sie nicht so töricht gewesen wären, wäre sie schon lange mit Ben Evans verheiratet.

Maria ging zur Bar hinüber und goss sich einen Tiquila ein. Dann hob sie das Glas an und trank es in einem Zug aus. Sie musste jetzt überlegen wie sie weiter vorgehen wollte. Keinesfalls wollte sie so einfach klein begeben. Ben gehörte zu ihr und daran gab es nichts zu rütteln. Nur musste sie Ben es eben erst klar machen.

Erneut begann Maria im Zimmer auf und ab zu laufen. Sie musste eine Lösung finden und zwar schnell. Am besten wäre es, wenn sie noch einmal mit Ben spricht. Er musste ihr diesmal einfach zuhören. Und dann würde er begreifen, dass sie zusammen gehören.

Maria goss sich erneut einen Tiquila ein und leerte auch diesmal das Glas in einem Zug. Ja, sie würde jetzt gleich in die Liberty Corporation gehen und verlangen mit Ben zu sprechen. Und sie würde sich nicht abwimmeln lassen. Es war ihr gutes Recht. Sie hatte viel ältere Rechte an Ben wie diese Meg. Noch einmal füllte sie ihr Glas und trank es aus, bevor sie nach ihrer Handtasche griff und ein wenig schwankend die Hotelsuite verließ.

Las Vegas

Bosco lag auf dem Bett ihres Hotelzimmers und starrte an die Decke. Luca war zu einer kleinen Boutique im Hotel gegangen, um eine „Überraschung“ für ihn zu kaufen. Er bemerkte nicht, dass seine Verlobte plötzlich wieder im Zimmer stand.

„Denkst du an mich?“

Bosco schreckte auf. Luca lehnte in einem Trenchcoat an der Zimmertür und sah ihn an.

„Ich habe dich gar nicht bemerkt.“

„Das habe ich gemerkt. Wo warst du mit deinen Gedanken? Bei mir? Bei unserer Hochzeitsnacht?“

Bosco schüttelte den Kopf. „Bei Bobby. Entschuldige.“

„Ist schon gut.“

„Er sollte mein Trauzeuge sein. Und jetzt ist er irgendwo in einem Dschungel oder sonst wo verschwunden. Und ich habe keine Ahnung, wo ich ihn suchen sollte.“

„Sobald wir wieder in Sunset Beach sind, helfen wir Aneesa bei der Suche nach ihm, okay?“ Bosco nickte. „Aber... was hältst du denn davon, wenn ich dich jetzt erst mal ein wenig auf andere Gedanken bringe?“

Mit langsamen Bewegungen öffnete sie den Mantel. Darunter trug sie nur ein hauchdünnes Negligee.

„Kommt die Hochzeitsnacht nicht erst nach der Hochzeit?“ Bosco grinste.

„Mag sein. Aber ich finde, ein kleiner Test vorher kann doch auch nicht schaden, oder?“

Luca ging langsam zum Bett und setzte sich auf die Kante.

„Oh nein. Das schadet auf keinen Fall.“ Bosco lachte und zog sie zu sich heran.

Krankenhaus Guadalajara

Clayton sah Cecilia verständnislos an. „Wovon redest du?“ fragte er verwirrt.

„Du hast mich niemals geliebt und deshalb gebe ich dich frei. Das ist es doch, was du gewollt hast. Deshalb bist du hierher gekommen ... um die Scheidung einzureichen. Ich mache es dir leichter. Ich gehe freiwillig.“ Es kümmerte sie nicht mehr, dass die Tränen nun ungebremst über ihre Wangen liefen. Sie machte sich nicht mal mehr die Mühe, sie fortzuwischen. Sie zögerte kurz, bevor sie sich zu ihm herabbeugte. Nur noch ein letzter Kuss, dann würde sie ihn verlassen und nie mehr wiedersehen. Sie war erstaunt, dass Clayton sich nicht wehrte, als sie ihre Lippen sanft gegen seine drückte.

In dem Moment, wo sich ihre Lippen berührten, schossen Flashbacks durch seinen Kopf, Erinnerungen an die Vergangenheit. Erschrocken zuckte er zurück, als ob er sich verbrannt hätte.

Cecilia sah ihn verstört an. „Du erinnerst dich wieder?“ Es war keine Frage, mehr eine Feststellung.

Geschockt sah er sie an. Ja, er erinnerte sich wieder an alles. An den Streit mit ihr, den Flug, wie das Flugzeug notlandete, einfach alles.

„Du erinnerst dich.“ Cecilia richtete sich wieder auf. Tränen glitzerten in ihren Augen. „Dann gibt es wohl nichts mehr zu sagen.“ Sie ging zur Tür und zögerte einen Moment, bevor sie sich langsam zu ihm umdrehte. „Eins sollst du noch wissen“, sagte sie leise. „Dann gehe ich, und du wirst mich nie mehr wiedersehen.“

Clayton saß da, unfähig sich auch nur zu rühren. Er sah sie irritiert an. Cecilias Worte hatten etwas Endgültiges. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn.

„Mag sein, dass ich dich in vielen Dingen belogen habe, aber in einer Sache habe ich nicht gelogen.“ Sie holte noch einmal tief Luft, bevor sie weiter sprach. „Ich liebe dich!“ stieß sie schluchzend hervor. „Deshalb habe ich gelogen. Deshalb wollte ich deine Frau werden. Ich hatte gehofft, dass meine Liebe für uns beide reichen würde. Aber anscheinend war das ein Irrtum. Leb wohl!“ Cecilia öffnete die Tür und begann los zu laufen. Sie hörte, wie jemand ihren Namen rief, aber sie war blind vor Tränen. Ohne sich noch einmal umzudrehen rannte sie auf den Ausgang zu.

Josefa und Carmen saßen in der Wartezone, als Cecilia an ihnen vorbeirannte. Josefa rief ihren Namen, doch die junge Frau reagierte nicht auf ihr Rufen. Josefa erhob sich schnell von ihrem Sitz und eilte ihr nach. Sie hatte kaum die Ausgangstür erreicht, als sie sah, wie mit hoher Geschwindigkeit ein Krankenwagen um die Ecke bog. Sie rief Cecilia eine Warnung zu, doch es war zu spät. Hilflos und voller Entsetzen musste Josefa mit ansehen, wie Cecilia von den Reifen erfasst wurde und durch die Luft gewirbelt wurde.

Liberty Corporation

Maria betrat das Gebäude der Liberty Corporation und blieb einen Augenblick im Foyer stehen, um sich zu orientieren. Es war schon eine Weile her, seit sie das letzte Mal hier gewesen war, aber viel schien sich nicht verändert zu haben. Das war typisch für Ben. Er liebte es, wenn alles seinen gewohnten Gang ging. Aber wenn sie erst einmal mit ihm verheiratet war, würde sie einiges ändern. Zuerst würde sie dafür sorgen, dass Ben weniger arbeitet. Er hatte ja schließlich mehr als genug Geld, um den Rest seines Lebens zu genießen. Und wenn er unbedingt weiter arbeiten will, dann würde sie dafür sorgen, dass er es wenigstens in einer guten Atmosphäre machen würde. Sie würde die besten Innenarchitekten angagieren, damit dieses verdammte Gebäude von Grund auf renoviert werden würde.

Auf ihren hohen Absätzen stöckelte Maria auf die Aufzüge zu.

„Hallo Miss, wohin wollen Sie denn?“ rief ihr der Pförtner nach.

Maria dreht sich kurz um. „Bemühen Sie sich bitte nicht, ich kenn mich hier aus.“

„Das mag ja sein Miss, aber trotzdem muss ich wissen zu wem Sie wollen“, beharrte der Pförtner.

Maria verdrehte die Augen. „Zu Mr. Evans, zu wem wohl sonst?“

„Aber Mr. Evans ist nicht da“, wandte der Pförtner ein.

Maria lachte kurz auf. „Lassen Sie es. Mich führen Sie nicht an der Nase herum. Ich hab schließlich heute früh selber mit ihm gesprochen, auch wenn er behauptet hat, sein eigener Zwilling zu sein.“

Ohne auf eine weitere Reaktion des Pförtners zu warten, betrat Maria den Fahrstuhl und drückte auf dem Knopf, der sie in die Chefetage bringen sollte.

Irritiert sah der Pförtner ihr nach, griff aber sogleich nach dem Telefon und drückte eine Taste.

„Mr. Evans? Hier ist William, der Pförtner. Eben ist ihr eine Frau reingerauscht, die unbedingt zu Ihrem Bruder wollte. Sie ließ sich von mir nicht aufhalten…..Ja, das könnte die Frau gewesen sein. Kennen Sie sie?....Ich verstehe. Okay.“

Dann legte er den Hörer wieder auf.

Im Krankenhaus

Cary blätterte in einer Motorrad- Zeitschrift, als das Telefon klingelte.

„Was willst du jetzt wieder?“ Er klemmte sich den Hörer zwischen Ohr und Schulter und nahm seine Zeitung wieder in die Hand. Als er die fremde Stimme am anderen Ende hörte, blickte er auf.

„Mit wem spreche ich da?“

„Cary Ford. Und wer sind Sie?“

„Mein Name ist Laura Sanders. Ich bin Ärztin beim Internationalen Roten Kreuz. Zur Zeit bin ich im Irak.“

„Giselle...“

„Ich höre, Sie kennen Lt. Paige.“

„Geht es ihr gut? Was ist mit ihr?“ Cary warf die Zeitung auf den Boden.

„Sie hat den Absturz überlebt, hat allerdings ernsthafte Verletzungen davon getragen.“

„Wie ernsthaft?“

„Sie hat sich mehrere Rippen gebrochen, die Milz war angerissen.“

„Wie geht es ihr jetzt?“

„Sie ist vor ein paar Stunden aufgewacht. Sie waren der Erste, nach dem sie gefragt hat.“

„Kann ich mit ihr sprechen?“

„Leider nicht. Aber ich werde mich darum kümmern, dass Sie sobald wie möglich mit Ihr sprechen können. Ich muss leider Schluss machen. Die Verbindung bricht gleich zusammen.“

„Danke Doktor.“

„Gern. Wiedersehen.“

„Wiedersehen.“


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