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  Folge 296
19.04.2007 von Meg_Cummings



Im Krankenhaus

Cary wurde durch eine leichte Berührung an der Schulter geweckt. Verschlafen öffnete er die Augen und sah die Frau neben seinem Bett an. Es war die Schwester, die ihm bei der Suche nach Giselle geholfen hatte.

„Was ist?“ Vorsichtig setzte er sich im Bett auf und sah die Frau fragend an.

„Sie fliegen Ihre Freundin heute aus dem Irak aus. Ihr Zustand ist soweit stabil, dass man Sie für transportfähig hält.“

„Wohin bringt man Sie?“

„Mit einem Zwischen- Stopp in Deutschland… hierher. Sie kommt nach Hause.“

Ein Lächeln ging über Carys Gesicht.

„Sie kommt nach Hause? Man bringt sie her? Aber… wie…?“

„Ich glaube, mein Bruder hat da ein wenig seine Finger im Spiel. Es hieß, ihr Vorgesetzter wolle sie da behalten, um sie wieder in einen Jet zu setzen, sobald sie einigermaßen gesund ist. Schätze mal, mein Bruder hatte was dagegen.“

Erleichterte ließ sich Cary in die Kissen fallen. „Sagen Sie ihrem Bruder danke. Ich werde mich später selbst bedanken.“

„Das brauchen Sie nicht. Ich denke, dass geht schon in Ordnung. Ruhen Sie sich noch etwas aus. Sie müssen später fit sein.“

Cary nickte und sah ihr hinterher. Giselle kam nach Hause. Und diesmal würde er sie nicht gehen lassen.

Las Vegas

Luca lag auf der Seite und sah ihren schlafenden Verlobten an. Sie hatten sich den ganzen Nachmittag über leidenschaftlich geliebt.

Vorsichtig streckte sie die Hand aus und fuhr ihm durch die dunklen Haare. Vielleicht hätte sie ihm doch vom Auftauchen ihres Ex- Verlobten erzählen sollen. Vielleicht hätte er ihre Eile zu heiraten dann besser verstanden. Vielleicht, vielleicht, vielleicht…

Sie hörte das leise Klingeln ihres Handys und zog es aus der Tasche.

„Ja? – Was willst du? – Nein, ich habe jetzt keine Zeit zu reden. Außerdem bin ich gar nicht in der Stadt. – Nein, ich glaube nicht, dass ich dir das erzählen will. – Verdammt. Warum kannst du mich nicht in Ruhe lassen? Ich liebe dich nicht mehr.“

Sie schaltete das Handy aus und warf es quer durch den Raum. Da spürte sie auf einmal eine Hand, die sich über ihre Hüfte schob.

„Wer war das?“

Bosco sah sie aus verschlafenen Augen an.

„Nicht so wichtig. Schlaf weiter. Morgen ist unser großer Tag.“ Sie lächelte ihn an und kuschelte sich an ihn.



Sophie’s Brautshop

Sophie’s Brautshop

Aufgeregt und mit klopfenden Herzen betrat Meg zusammen mit ihrer Mutter das Brautausstattungsgeschäft. Irgendwie kam Meg sich immer noch wie in einem Traum vor. Heute sollte sie Ben heiraten. Natürlich hatte sie keine Zweifel und sie liebte Ben über alles, aber sie hatte immer gedacht, dass sie ihre Hochzeit zusammen mit ihren Eltern und Ben vorbereiten würde. Aber Ben hatte natürlich recht. Sie mussten Maria in ihre Schranken weisen und er kannte sie ja schließlich gut genug, um beurteilen zu können, wie Maria am besten zu stoppen sei. Und natürlich hatte Meg schon selber bemerkt, dass mit der Frau einfach nicht zu reden war.

Meg holte einmal tief Luft, um alle unangenehmen Gedanken an Maria loszuwerden und spürte, wie ihre Mutter ihre Hand auf ihre Schulter legte.

„Alles in Ordnung Meg?“ erkundigte Joan sich besorgt.

Meg drehte sich zu ihrer Mutter um und lächelte. „Natürlich, ich bin einfach nur aufgeregt. Schließlich heirate ich heute.“

„Ja das tust Du“, nickte Joan „Und Dein Ben ist ein wundervoller Mann.“

„Ja, das ist er in der Tat“, stimmte Meg zu.

„Guten Morgen, ich nehme an, Sie sind Miss Cummings?“ unterbrach sie eine schlanke Endvierzigerin. „Ich bin Sophie, die Geschäftsinhaberin.“

Meg reichte ihr die Hand. „Ja, ich bin Meg Cummings und das ist meine Mutter Joan Cummings.“

Sophie begrüßte auch Joan. „Erfreut Sie kennen zu lernen. Wenn Sie mir bitte nach hinten folgen wollen, ich habe schon eine kleine Vorauswahl getroffen, von der ich hoffe, dass Sie ihnen gefallen wird.“

Meg und Joan nickten und folgten Sophie in den hinteren Teil des Geschäfts.

Im Krankenhaus von Guadalajara

Besorgt sah Carmen ihren Sohn von der Seite an. Sie wäre gerne mit einer positiven Nachricht zu ihm gegangen, aber einer hatte ihm von Cecilias plötzlichem Tod erzählen müssen. Und sie hatte sich bereit erklärt, dieses zu übernehmen. Er sollte es nicht von den Ärzten erfahren. Das war sie ihm einfach schuldig.

Clayton saß da wie betäubt und starrte gegen die weiße Krankenzimmerwand. Sein Unterkiefer arbeitete, während er versuchte, die Tränen zurückzuhalten, die in ihm hochstiegen. Er sah zum Nachttisch hinüber, wo Cecilia ihren Ehering abgelegt hatte. Er schloss die Augen und spürte in Gedanken wieder ihre Lippen auf seinen. Ihre letzten Worte dröhnten in seinem Kopf. „Ich liebe dich!“ Clayton gab den Kampf gegen die Tränen auf. Er wandte sich ab und schlug die Hände vors Gesicht.

Es versetzte Carmen einen Stich im Herzen, ihren Sohn so unglücklich und verzweifelt zu sehen. Nachdem was sie erfahren hatte war sie davon ausgegangen, dass Claytons und Cecilias Ehe aus reiner Vernunft geschlossen wurde. Eine Beziehung ohne Gefühle. Doch sein Verhalten wiederlegte das. Er trauerte ernsthaft und aufrichtig um die Ehefrau, die er verloren hatte. Zögernd streckte sie ihre Hand aus und berührte sanft seine Schulter. „Es ... tut mir so leid!“ sagte sie leise.

Es dauerte eine Weile, bis Clayton fähig war, wieder zu sprechen. Langsam hob er den Kopf und sah seine Mutter an. „Wo ... wo ist sie? Kann ich sie sehen?“

Carmen schüttelte den Kopf. „Ich halte das für keine gute Idee. Sie haben sie in den Keller gebracht, dort wo alle ...“ Sie stockte. Sie hatte nur einen kurzen Blick auf Cecilia geworfen, bevor die Ärzte sie weggetragen hatten. Alles war voller Blut gewesen. Ein grauenvoller Anblick. „Es ist besser, wenn du sie so in Erinnerung behältst, wie du sie gekannt hast“, sagte sie sanft.

Clayton schüttelte den Kopf. Er wischte sich über die Augen. „Ich will sie sehen“, sagte er mit Entschlossenheit.

„Die Ärzte werden es nicht erlauben“, gab Carmen zu bedenken.

„Es interessiert mich nicht, was die Ärzte sagen!“ Clayton schlug plötzlich die Bettdecke zurück. „Ich will zu ihr!“

Carmen sprang erschrocken auf. Sie hatte nicht mit dieser Hartnäckigkeit gerechnet. „Bitte, hör auf mich!“ flehte sie. „Das Auto hat sie wirklich schlimm zugerichtet. Du erkennst sie vielleicht gar nicht wieder ...“ Sie unterbrach den Satz, als sie seinen Blick sah. Es war derselbe Blick, den sie hatte, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dass sie unbedingt durchsetzen wollte. „Nun gut“, gab sie schließlich nach. „Ich rufe eine Schwester, damit sie einen Rollstuhl für dich bringt. Ich werde dich dann fahren.“

Clayton nickte. „Danke“, sagte er leise. Er nahm Cecilias Ehering vom Tisch und ließ ihn in die Tasche seines Bademantels gleiten.

Irgendwo in Mexiko

„Bobby… Bobby, steh auf. Wir müssen uns fertig machen. Unser Flieger geht in vier Stunden.“

Langsam drehte Sich Bobby im Bett um und sah Kim an. „Was ist? Welcher Flieger?“

„Wir reisen heute noch nach Kanada. Das habe ich dir doch gestern gesagt. Es ist für Joey besser.“

Bobby nickte und setzte sich auf die Bettkante. Er beobachtete, wie Kim ihm die Fußfessel, die ihn ans Bett kettete, öffnete.

„Bitte mach keine Dummheiten. Das wäre nicht gut. Und jetzt geh dich waschen, mein Schatz. Wir müssen bald los.“

„Wohin fliegen wir?“

“Das wird eine Überraschung. Ich bin sicher, dass es dir dort gefällt.“ Kim beugte sich zu ihm und wollte ihm einen Kuss geben. Doch Bobby drehte sich von ihr weg.

„Was hast du denn? Dir haben meine Küsse doch sonst immer gefallen.“

„Ja… sonst. Ich muss mich jetzt waschen.“ Er stand auf und drängte sich an Kim vorbei. Im Bad lehnte er sich an das Waschbecken und betrachtete sich im Spiegel. Er hatte dunkle Ränder unter den Augen und eine Rasur war auch mal dringend nötig. Aber das war alles zweitrangig. Er musste aus Kim heraus bekommen, wohin sie fliegen würden. Und zwar schnell.

Sophie’s Brautshop

„Oh, die Kleider sind ja alle ein Traum“, staunte Meg, als sie sich in dem Geschäft umsah.

Sophie lächelte „Danke, ich bemühe mich immer, ganz besondere Kleider zu finden. Haben Sie schon eine Vorstellung von ihrem Kleid?“

Meg schüttelte ihren Kopf. „Nein, bisher habe ich mir darüber ja noch keine Gedanken gemacht, da die Hochzeit eigentlich ja erst in ein paar Monaten stattfinden sollte.“

Sophie nickte. „Ja, Ben hat mir gestern am Telefon davon erzählt. Ich bin aber sicher, dass wir etwas Passendes finden werden. Wie ich schon sagte, habe ich mir schon mal erlaubt, eine kleine Vorauswahl zu treffen. Die Kleider die ich meine, hängen alle hier drüben.“

Meg und Joan gingen zu dem Kleiderständer hinüber, auf den Sophie gewiesen hat.

„Oh Meg, die Kleider sind einfach ein Traum“, stellte Joan fest und lies ihre Finger vorsichtig über die seidigen Stoffe gleiten.

„Die traut man sich ja kaum anzuziehen“, fügte Meg hinzu.

Sophie lächelte. „Bitte scheuen Sie sich nicht zurück, die Kleider anzuprobieren.“

Meg seufzte. „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll und was zu mir passen würde.“

„Darf ich einen Vorschlag machen?“ Sophie ging zu dem Kleiderständer hinüber.

Meg nickte. „Ich bitte darum.“

„Mit Ihrem gebräunten Teint und den dunklen Haaren würde ich zu keinem reinem weißen Kleid raten, sondern eher etwas in Cremeweiß oder Eierschalenfarben.“

Joan nickte zustimmend. „Da haben Sie wohl recht.“

„Und von Ihrer schlanken Figur her, können sie bestimmt alle Schnitte tragen“, fügte Sophie hinzu.

Meg betrachtete sich im Spiegel. „Meinen Sie wirklich?“

Sophie lächelte. „Ja, das meine ich wirklich.“

Dann nahm sie ein Kleid von dem Kleiderständer. „Warum fangen Sie nicht einfach mal mit diesem Kleid hier an?“

Meg zögerte noch einen Moment und strich mit den Fingern über die feine Seide, dann straffte sie ihre Schultern und nickte.

„Ja, dann mach ich mal damit den Anfang.“

Im Krankenhaus von Guadalajara

Einer der Ärzte die Tür zum Kühlraum und zog die Schublade auf, in die sie Cecilias Leichnam, bis zur Überführung nach Sunset Beach, zur Aufbewahrung hineingelegt hatten.

Es kostete Clayton unendliche Selbstbeherrschung, nicht aufzuschreien, als der Arzt die Folie, mit der Cecilias Körper zugedeckt war, zur Seite zog und den Blick auf ihr Gesicht frei gab. Ihre Wangen waren kalkig und eingefallen, die Lippen bläulich verfärbt, die Augen geschlossen. Wo auch immer sie verletzt worden war, das Gesicht war unversehrt geblieben. Man konnte jedoch nur noch ahnen, wie schön sie einst gewesen war.

„Darf ich einen Moment mit ihr alleine sein“? Claytons Stimme war nur ein Flüstern, als er sich zum Arzt umwandte.

Dieser nickte. „Natürlich dürfen sie ein paar Minuten mit ihr alleine sein.“

Carmen nickte ebenfalls. „Ich warte draußen.“

Als alle gegangen waren stand Clayton aus dem Rollstuhl auf und beugte sich zu Cecilia herab. Vorsichtig zog er die Folie weiter zurück, die Cecilias Körper bedeckte. Ihr Oberkörper darunter war in weiße Tücher gehüllt. Man konnte schwach erkennen, wie es rötlich durchschimmerte. Clayton zog den Ehering hervor und griff nach Cecilias eiskalter, klammer Hand. Vorsichtig streifte er ihr den Ehering über den Ringfinger der linken Hand. „Bis das der Tod uns scheidet ...“ flüsterte er ihr zu. Tränen rannen über seine Wangen, als er sich zu ihr herabbeugte und ihre eiskalten Lippen ein letztes Mal berührte.

Plötzlich stand Carmen in der Tür. „Bist du bereit?“ fragte sie.

Clayton richtete sich auf. „Ja“, sagte er mit heiserer Stimme. „Ich bin bereit.“ Er sah noch einmal auf Cecilia herab und deckte dann die Folie wieder über sie.

Carmen nickte. Sie wusste, wie schwer es für ihn war, von Cecilia Abschied zu nehmen. Und sie respektierte, dass er eine Weile mit ihr hatte alleine sein wollen. Sie half ihm wieder in den Rollstuhl und brachte ihn zurück auf sein Zimmer.

Im Krankenhaus

Connor hatte die Nacht auf dem Sofa in Patricks Zimmer verbracht. Jetzt kam er aus der Cafeteria zurück, in der er einen Kaffee getrunken hatte. Eine Schwester kam ihm in der Tür entgegen.

„Er ist wach und hat nach Ihnen gefragt.“

„Danke.“ Connor betrat das Zimmer und setzte sich auf die Bettkante. Vorsichtig griff er nach Patricks Hand. Der schlug bei der Berührung die Augen auf. Ein gequältes Lächeln ging über sein Gesicht.

„Hey…“

„Hey. Wie fühlst du dich?“

„Nicht gut. Es tut mir leid.“

„Es braucht dir nichts Leid zu tun.“ Connor strich ihm eine Haarsträhne aus der Stirn. „ Absolut nichts.“

„Doch. Ich habe es versaut. Ich hatte geglaubt, ich hätte es im Griff. Dann kam dieser Besuch von Sandra… Und das war anscheinend die einfachste Methode, ihr zu entfliehen. Ein paar Tabletten, eine Flasche Wodka… und schon wäre alles vorbei gewesen. Mein Horizont ging wohl nur bis zu meiner Nasenspitze. Es tut mir leid. Ich habe nicht an dich oder Nate gedacht. Und was ich euch damit antue.“

Eine einzelne Träne lief über seine Wange. „Hilf mir… Bitte.“

„Das werde ich. Versprochen.“ Connor beugte sich zu ihm und gab ihm einen sanften Kuss.



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