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  Folge 297
26.04.2007 von Meg_Cummings



Am Strand

Seine Füße gruben sich in den weichen Sand ein, als er kurz neben der Wasserlinie entlang lief. Er hatte Nate schlafen lassen, um ein wenig allein zu sein. Alles, was in den letzten zwei Tagen geschehen war, stürzte auf ihn ein. Er wurde langsamer und blieb ganz stehen. Er setzte sich in den Sand.

So hatte Brian sich sein Leben nie vorgestellt. Er war immer frei gewesen. Hatte sich nie von jemandem Vorschriften machen lassen. Hatte sich nie an jemanden gebunden. Und jetzt… jetzt hatte er einem Freund ein Versprechen gegeben.

Ein Schatten fiel über ihn. Er hob den Kopf und blinzelte gegen die Sonne an.

„Na, suchst du nach einer Möglichkeit zur Flucht?“

„Was willst du von mir, Sandra?“

„Dir einen Ausweg aus diesem Dilemma, das es für dich ist, bieten.“

„Ich brauche keinen Ausweg aus irgendeinem Dilemma. Aber danke für das Angebot.“ Er stand auf und starrte der Frau ihm gegenüber in die Augen. „Und jetzt entschuldige mich.“

„Hör auf, dich selbst zu belügen. Du liebst dein ungebundenes Leben viel zu sehr, um es zu ändern. Jede Nacht ein anderer Mann… Sex, soviel du willst… Das alles gibt es nicht mehr für dich, wenn Nate bei dir bleibt.“

Brian drehte sich zu ihr um und musterte sie voller Abscheu. „Dir ist auch kein Mittel zu schade, um deine Ziele zu erreichen. Du hast Patrick fast umgebracht. Und jetzt suchst du nach einer Stelle, um deine Hebel bei mir anzusetzen. Aber ich muss dich enttäuschen. Das zieht bei mir nicht. Und du kannst mir eins glauben; ich werde nicht zulassen, dass du Patrick oder Nate je wieder zu nah kommst. Verlass dich darauf.“

Er drehte sich auf dem Absatz um und ließ Sandra stehen. Immer leiser wurde ihre Stimme, als sie ihm hinterher brüllte: „Das ist alles deine Schuld! Patrick und ich wären noch glücklich, wenn du nicht aufgetaucht wärst und alles verdorben hättest! Hörst du? Das ist alles deine Schuld!“



Sunset Beach Club Hotel

Lächelnd setzte sich Maria an den gedeckten Frühstückstisch in ihrer Hotelsuite. So gefiel ihr das Leben. Und sie hatte nicht vor, es so schnell zu ändern. Ganz im Gegenteil, wenn sie erst einmal Ben zurück hatte, musste sie ihm ganz schnell klar machen, dass sie unbedingt ein paar Bedienstete brauchten. Mindestens ein Hausmädchen und einen Koch, denn sie hatte nicht vor in Zukunft ihr Leben mit langweiliger Hausarbeit zu verschwenden. Und schließlich hatte Ben ja genug Geld um ihr einen ahngemäßen Lebensstil zu finanzieren.

Maria goss sich zufrieden eine Tasse dampfenden Kaffee ein, bestrich ein noch ofenwarmes Crossaint mit Butter und griff zur Zeitung. Sie schlug die Zeitung auf, lehnte sich zurück und begann die Schlagzeilen zu überfliegen. Dann blieb ihr fast der Bissen im Hals stecken, als ihr eine Schlagzeile förmlich ins Auge sprang.


Ben Evans heiratet

„Verdammt“, murmelte Maria wütend „was soll das denn jetzt?“ Dann las sie weiter.

Ben Evans, Multimillionär und Miteigentümer der Liberty Corporation, wird heute Nachmittag seine Verlobte Meg Cummings in der kleinen Missionskirche in Sunset Beach heiraten. Die Trauung wird im engsten Familienkreis stattfinden.

Voller Zorn knüllte Maria die Zeitung zusammen und griff dann nach der Kaffeekanne, die sie mit voller Wucht gegen die Wand schleuderte. Das die Kanne in tausend Stücke zerbrach und der Kaffee einen hässlichen Fleck an der edlen Seitentapete zurückließ, bemerkte sie nicht einmal.

Außer sich sprang sie auf und lief im Zimmer auf und ab. Wie konnte Ben es nur wagen? Er konnte doch nicht wirklich vorhaben dieses Landmädchen zu heiraten. Die war doch gar nichts für Ben.

Maria ballte ihre Hände zu Fäusten. Nein, das konnte sie einfach nicht zu lassen. Sie sollte die Frau sein, die Ben heiratet und keine andere. Und sie würde etwas dagegen unternehmen und zwar sofort.

Entschlossen griff sie nach ihrer Handtasche und verließ eilig ihre Hotelsuite.

Anwesen der Torres Familie

Instinktiv spürte Ricardo, dass etwas zwischen Gabi und Antonio vorging. Sie warfen sich andauernd geheimnisvolle Blicke zu, wenn sie glaubten, dass er es nicht sah. Anfangs hatte er noch gedacht, es wäre wegen Cecilia und das Antonio sie nur trösten wollte. Doch das mehr dahinter steckte erfuhr er, als er ein Gespräch zwischen ihnen belauschte.

Er hatte gerade sein Zimmer verlassen und wollte nach unten gehen, als er im Nebenraum Stimmen hörte. Er fragte sich, was Gabi in Antonios Zimmer machte und presste sein Ohr an die verschlossene Tür. Was er hörte, ließ ihn das Blut in den Adern gefrieren.

"Ich kann nicht, Antonio!"

"Aber wir müssen es ihm sagen. So kann es auf jeden Fall nicht weiter gehen. Wie lange willst du es noch verheimlichen?"

"Bisher ahnt er noch nichts. Ich denke, wir waren diskret genug. Und falls uns einer von den Knechten bei den Stallungen gesehen haben sollte, dann wird er sicher Stillschweigen darüber bewahren."

"Du willst aus unserer Liebe ein Geheimnis machen?"

"Mein Gott, Antonio, versteh mich doch! Ich kann doch nicht einfach zu Ricardo gehen und ihm sagen "Hey, unsere Hochzeitspläne haben sich geändert. Ich liebe deinen Bruder!"

„Ist es, weil du ihn noch liebst oder wieso?“

„Nein, ich ... ja ... ach, ich weiß gar nichts mehr. Ich muss den richtigen Zeitpunkt finden.“

"Den richtigen Zeitpunkt? Was meinst du damit? Den wird es nie geben. Wenn du es ihm nicht sagst, dann tue ich es!“

"Antonio, warte! Ich werde mit ihm reden. Ich brauche nur noch etwas Zeit."

"Wieviel Zeit? Gabi, versteh mich nicht falsch, ich will dich nicht drängen, aber es hinauszuzögern löst das Problem nicht.“

"Ich möchte die Beerdigung abwarten. Das kommt jetzt alles so ... plötzlich."

"Komm her! Oh Gott, ich wollte dich nicht zum Weinen bringen! Es tut mir leid! Ich liebe dich doch!"

"Ich liebe dich auch!"

Las Vegas

Luca saß am Frühstückstisch und musterte Bosco, der in der Zeitung las. Als hätte er ihren Blick gespürt sah er auf.

„Was ist?“ Er lachte. „Habe ich gekleckert?“

„Nein. Nichts ist. Alles in Ordnung. Ich kann es nur gerade nicht glauben, dass es so unser ganzes Leben sein wird.“

„Ist das gut oder schlecht?“ Bosco legte die Zeitung zur Seite und sah seine Verlobte an.

„Eindeutig gut.“ Luca stand auf, ging um den Tisch herum und setzte sich auf Boscos Schoß. „Ich liebe dich. Und ich will dich mein ganzes Leben lang an meiner Seite haben.“

„Dann ist das ja schon mal eindeutig geklärt.“ Er zog sie zu sich herunter und küsste sie sanft. Als der Kuss leidenschaftlicher wurde, zog Luca sich von ihm zurück.

„Später. Das heben wir uns für die Hochzeitnacht auf. Jetzt habe ich einen Termin im Spa- Bereich. Damit ich später auch hübsch genug zum Heiraten bin.“

Sie warf ihm noch einen Handkuss zu und verschwand im Schlafzimmer.

Patty’s Schönheitssalon

Nachdem Meg in Sophie’s Brautshop tatsächlich ein passendes Kleid für die Hochzeit am Nachmittag gefunden hatte, hatte der Fahrer der Limousine, die Ben heute für sie und Joan gemietet hatte, die beiden Frauen zu einem Schönheitssalon gefahren. Auch dort waren sie schon erwartet worden und sobald sie das Geschäft betreten hatten, hatten sich gleich mehrere Angestellte um sie gekümmert.

Nun saßen Meg und ihre Mutter, nein sie lagen mehr, als sie saßen, in bequemen Sesseln und beide hatten eine entspannende Gesichtsmaske aufgelegt bekommen. Währendessen wurden ihre Fingernägel manikürt und lackiert.

Plötzlich fing Joan neben Meg leise an zu kichern.

„Ist alles in Ordnung, Mom?“ erkundigte sich Meg besorgt.

„Ja“, antwortete Joan. „ich komme mir nur ein wenig dekadent vor. Stell Dir mal vor, ich Joan Cummings aus Ludlow in Kansas, liege am helllichten Tage in Sunset Beach in einem Kosmetiksalon und lasse mir die Nägel machen. Das glaubt mir zu Hause doch kein Mensch.“

Nun musste auch Meg lachen. „Ich hoffe, Du genießt es trotzdem.“

„Natürlich, mehr als ich mir jemals vorstellen konnte.“

„Ich muss zugeben, dass dies für mich zu Anfang auch sehr merkwürdig war, aber hier in Kalifornien gehört es einfach dazu.“

„Du lebst hier eben ein ganz anderes Leben, als zu Hause bei uns“, meinte Joan. „Aber wichtig ist, dass Du Dich wohl fühlst.“

„Und das tue ich. Ben ist das Beste, was mir jemals in meinem Leben passiert ist.“

„Das glaube ich. Er ist etwas ganz besonderes, so einen Mann findet man nicht alle Tage.“

„Nein, mein Ben ist einmalig“, lächelte Meg unter ihrer Maske.

„Du hättest keinen besseren Mann finden können. Aber ich mochte seinen Bruder Ted ja auch immer schon.“

„Die Evans Brüder sind alle drei ganz besondere Menschen“, nickte Meg „Und heute Nachmittag wirst Du auch noch ihre Halbschwester Cassie kennen lernen.“

„Stimmt es wirklich, dass sie bis vor kurzem noch keine Ahnung von ihr hatten?“

Ja, aber sie haben nicht lange gezögert und Cassie sofort in ihrer Familie aufgenommen, obwohl Cassie nur einen Brief von ihrer verstorbenen Mutter hatte, in dem sie Cassie erzählt hatte, wer ihr Vater war. In England haben sie dann aber weitere Beweise gefunden, aber da hatten sie Cassie schon voll akzeptiert. Denn wen die drei erst einmal in ihr Herz geschlossen haben, der bleibt auch dort.“

Joan seufzte. „Leider gibt es heute so was nur noch selten. Ich freue mich aber, dass ausgerechnet Du so ein Exemplar abbekommen hast.“

„Ich mich auch“, lächelte Meg.

Anwesen der Torres Familie

Ricardo hatte genug gehört. Dass es jetzt plötzlich so leise im Raum wurde konnte nur bedeuten, dass die beiden sich gerade küssten. Er ballte die Fäuste und schloss dabei die Augen. Mein Gott, wie hatte er nur die ganze Zeit so blind sein können? Wie lange ging das schon zwischen den beiden? Und dabei hatte er gerade heute den Vertrag für ein Haus in Strandnähe unterschrieben, wo sie nach der Trauung hätten leben sollen. Tränen der Enttäuschung schossen in seine Augen. Er konnte es einfach immer noch nicht glauben, dass Gabi und sein eigener Bruder ihn die ganze Zeit über betrogen hatten.

Von drinnen waren wieder Geräusche zu hören. Wahrscheinlich würden sie bald das Zimmer verlassen, überlegte Ricardo. Und es war nicht sehr geschickt, wenn sie ihn vor der Tür fanden. Auf leisen Sohlen schlich er zurück in sein Zimmer und schloss die Tür.

Erschöpft ließ er sich auf das Bett sinken. Der Schmerz des Verlustes nagte an ihm. Aber noch etwas anderes – Wut. Wieso hatte Gabi ihm nicht eindeutig gesagt, dass sie ihn nicht mehr liebte. Vielleicht war es auch seine Schuld. Er wusste, dass er sich nach dem Unfall verändert hatte. War das der Grund, wieso sie sich Antonio zugewandt hatte? Ricardo wusste, dass Selbstvorwürfe nichts bringen würden. Er musste handeln, ermahnte er sich selber.

Entschlossen stand er vom Bett auf. Als erstes musste er den Makler anrufen und den Kauf des Hauses rückgängig machen. Er hoffte, dass es dafür nicht schon zu spät war. Vorsichtig öffnete er die Tür und spähte hinaus. Bisher rührte sich immer noch nichts nebenan. Beim Gedanken daran, dass die beiden nun vielleicht gerade miteinender Sex hatten, drehte sich sein Magen um. Leise ging er die Treppe nach unten.

Sunset Beach Police Department

Aneesa stürmte durch die Tür und sah sich suchend um. Sie hielt einen der Polizisten am Arm fest.

„Haben Sie Officer Baker gesehen?“

„Der ist gerade im Pausenraum. Nen Kaffee trinken.“

„Danke.“ Aneesa rannte durch das Revier und platzte in den Pausenraum.

„Simon! Sie machen in Los Angeles eine Zwischenlandung!“

Simon Baker löste sich aus der Gruppe von Kollegen und kam auf sie zu. „Wie meinst du das?“

„Ich habe eine SMS von ihm gekriegt. Hier, guck.“

Sie hielt ihm mit zitternden Händen das Handy hin.

Zwischen- Stopp LA, AA5697, hilf mir!

„Okay, das reicht. Ich alarmiere die Kollegen in Los Angeles. Und danach fahren wir auch los.“

„Du nimmst mich mit?“

„Natürlich. Was dachtest du denn? Außerdem würdest du dir hier nur die Nägel abkauen. Also los. Abmarsch!“

In einer kleinen Nebenstrasse in Sunset Beach

Ein wenig unwohl war Maria schon, als sie die kleine, dunkle Gasse betrat, die ihr eine unbekannte Stimme am Telefon als Adresse genannt hatte. Immer wieder schaute sie sich um, aber hier war keine Menschenseele unterwegs. Dann entdeckte sie die Hausnummer 47 und mit zittrigen Händen klopfte sie, wie verabredet, an die Tür.

Wenige Augenblicke später öffnete sich die Tür. Vor ihr stand ein Mann mittleren Alters mit einer Sonnenbrille auf der Nase. Die Kleidung des Mannes starrte vor Dreck und normalerweise hätte Maria so einen Mann niemals angesprochen.

„Ja?“ nuschelte der Mann, ohne dabei seine Zigarette aus dem Mund zu nehmen.

„Carlo schickt mich. Ich bin Maria“, antwortete Maria mit zittriger Stimme.

„Okay, kommen Sie rein.“ Der Mann machte die Tür ein wenig weiter auf und lies Maria eintreten. Der kleine Flur, den sie nun betrat, war heruntergekommen, wie das ganze Viertel, in dem sie sich befand.

„Haben Sie es dabei?“ wollte der Mann wissen.

Maria nickte und holte einen Umschlag aus ihrer Handtasche. Sofort wollte der Mann danach greifen, aber Maria zog den Umschlag zurück. „Halt, zuerst will ich die Ware sehen.“

Der Mann zuckte mit seinen Schultern und holte eine Schachtel aus seiner Jackentasche und öffnete sie, damit Maria einen Blick hineinwerfen konnte. „Die Seriennummer ist weggefeilt.“

Maria nickte. „Gut.“

Dann reichte sie dem Mann den Umschlag und nahm dafür die Schachtel in Empfang.

„Ich hoffe, sie wissen wie Sie damit umgehen müssen, Lady“, sagte der Mann.

„Ja das weiß ich“, nickte Maria.

Dann drehte sie sich auf dem Absatz um und verließ eilig das dunkle Haus.


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